Hinter den Kulissen mit Christopher Maletz - Worldcup Stories

Unser Team Mountainbiker Christopher Maletz hat eine supe erfolgreiche Woche hinter sich. Hier berichtet er über seinen Rennerfolg in Champéry: 

25.07.2010, Champéry (SUI), 4. Lauf Weltcup


"Station Nummer 4 des Mountainbike Weltcups stand am vergangenen Wochenende auf dem Programm. Es ging nach Champéry in die Schweiz, gleichzeitig mein erster Wettkampf im kleinen Nachbarland. In der Woche nach der erfolgreichen Deutschen Meisterschaft fiel mir die volle Konzentration auf das Rennen etwas schwer. Dennoch wollte ich versuchen, mit meiner aktuell guten Form endlich ein gutes Weltcup-Resultat einzufahren.

Nach sehr langer Anreise erreichte ich am Freitag Champéry nahe der französischen Grenze. Leider regnete es anhaltend und ich rechnete bereits mit einem schlammigen Kurs. Was mich am Samstag beim Streckentraining erwartete, übertraf meine Befürchtungen leider bei weitem. Unendlich viele Wurzeln, sowie extrem tiefer, zäher Schlamm, durch den man sich durchwühlen musste, machten das Durchkommen zur Glückssache. Große Teile der Strecke konnten nur zu Fuß absolviert werden, wobei sich die Reifen und Schuhe so stark zusetzten, dass fast nichts mehr ging. Lediglich der Anfang des ersten, sowie der zweite Anstieg waren gut zu fahren.

Vom der Wetteruntauglichkeit und den zu wenigen Überholmöglichkeiten der Strecke war ich sehr enttäuscht. Ebenso auch von den äußerst schlechten Parkmöglichkeiten und der weit verteilten Expo-Area. Da gab es in diesem Jahr schon deutlich bessere Weltcup-Veranstaltungen. Zumindest das beeindruckende Bergpanorama der wunderschönen Gegend entschädigte etwas.

Glücklicherweise blieb es zum Sonntag trocken und sogar die Sonne ließ sich blicken. Auch wenn sich in den aufgeweichten Waldpassagen dadurch nicht viel änderte, zumindest einige Streckenteile konnten nun wieder gefahren werden. Nachdem ich mir im Frauenrennen noch kurz die Linienwahl der Fahrerinnen in den Abfahrten angeschaut hatte, begann ich mit den eigenen Vorbereitungen. Rund 20 Minuten vor dem Start ging es zur Startaufstellung, wo ich mit Position 138 nicht gerade die beste Ausgangssituation hatte, vor allem in Anbetracht der schlechten Überholmöglichkeiten.

Um 14:30 Uhr fiel der Startschuss. Ich kam halbwegs gut los und konnte einige Positionen gut machen. Es dauerte nicht lange und schon gab es die zu erwartenden Staus und Rangeleien. Wieder einmal spielten sich viele unschöne Szenen ab. So viele blaue Flecken musste ich nicht einmal in Houffalize einstecken und die teuren Wettkampfräder wurden mit Sicherheit auch nicht besser.

Nach und nach gelang es mir dennoch, mich nach vorn zu kämpfen. Zwar hatte ich an den Anstiegen nicht die besten Beine, doch zumindest in den technisch schwierigen Passagen kam ich gut zurecht. Eine der Abfahrten wies den spektakulärsten Drop auf, den ich bis jetzt im Cross Country gesehen habe. Im Gegensatz zu den meisten Drops, bei denen man das Rad einfach sacken lassen kann, musste man bei diesem abspringen, um den darauf folgenden Graben und spitze Steine zu überfliegen. Beim Training am Vortag hatte ich aufgrund der schwierigen Anfahrt und rutschigen Bedingungen stets die längere Umfahrungsmöglichkeit gewählt. Um im Rennen keine Zeit zu verlieren, ging ich jedoch das Risiko ein, ihn ohne vorheriges Training zu springen. Letztendlich klappte es und ich konnte gegenüber den vielen "Chickenway"-Fahrern zahlreiche Plätze gutmachen.

Leider blieb ein Sturz in einer steilen Wurzelpassage nicht aus. Mir passierte zum Glück nichts, mein Sattel hatte von nun an allerdings rund 5cm Federweg. Bereits drei Runden vor Schluss wurde mir das Rennen aufgrund der 80%-Regel abgewunken. Extrem ärgerlich: Ein 5 Sekunden vor mir liegender Fahrer wurde noch auf eine weitere Runde gelassen, ich leider nicht mehr. Da ich mich bis zu diesem Zeitpunkt stark auf dem Vormarsch befand, wären sicher noch ein paar Plätze drin gewesen. So blieb es bei Rang 91.

Auch wenn das Ergebnis nach meinen vorhergehenden Platzierungen 121, 167 und 134 eine deutliche Verbesserung darstellt, war ich nach dem Rennen eher unzufrieden. Ich konnte nicht den Druck aufs Pedal bringen, wie in der letzten Woche und die enge Strecke ließ keine realistische Platzierung zu.

Bereits am kommenden Samstag steht in Val di Sole in Italien der nächste Lauf auf dem Programm. Dort werde ich versuchen, mich weiter zu verbessern, es ist auf jeden Fall noch mehr drin."

RIDE LIFE RIDE GIANT, ... weiter so !
26 Juli 2010