Hinter den Kulissen mit Christopher Maletz - Rennbericht Freital

05.09.2010, Freital, Mitteldeutsche Meisterschaft

"Mit der Mitteldeutschen Meisterschaft stand am vergangenen Sonntag noch einmal ein wichtiger Wettkampf in meinem Rennkalender. In den vergangenen vier Jahren konnte ich mich stets auf dem Podium platzieren und mir 2007 den Titel sichern. Mittlerweile ist das aber auch schon wieder eine Weile her und nach einer bisher guten Saison wollte ich endlich ein zweites Mal auf das oberste Treppchen klettern dürfen.

Dass es in diesem Jahr schwerer werden würde, als bisher, war mir bewusst, denn das Fahrerfeld war stärker besetzt, als in den Vorjahren. Mit drei Top10-Fahrern der diesjährigen DM und mehreren weiteren Fahrern, die dies in naher Vergangenheit geschafft hatten, war die Konkurrenz sehr stark.

Aufgrund der für mich langen Anreise machte ich mich bereits am Samstag auf den Weg nach Freital und konnte so auch gleich die Vorbelastung auf der anspruchsvollen Rennstrecke absolvieren. Meine Beine vermittelten dabei allerdings nicht gerade das Gefühl, am Renntag zu Höchstleistungen fähig zu sein. Nachdem ich wegen starker Halsschmerzen die ohnehin geplante Ruhewoche noch ruhiger gestalten musste, war der Tritt noch ziemlich eckig. Doch die Hoffnung, dass es am Renntag umso besser laufen würde, hielt sich hartnäckig.

Trotz kurzer Anreise aus Dresden war ich am Sonntag etwas spät dran und hätte eigentlich längst etwas essen müssen. Besser spät als gar nichts essen, dachte ich mir und machte damit einen Fehler, den ich noch bereuen sollte.

Nach kurzem Warmfahren ging es an den Start und wenige Minuten später fiel der Startschuss. Ich startete gut und reihte mich zunächst an zweiter Position ein, bevor ich am Ende der Startloop die Führung übernahm. Es bildete sich eine Fünfergruppe, in der sich einige Zeit später Top-Favorit René Tann (Germina) an die Spitze setzte. Seiner ersten Tempoverschärfung konnte ich folgen, bei der Zweiten entstand allerdings eine kleine Lücke. Mit wenigen Sekunden Rückstand ging ich in der Verfolgergruppe auf die 2. Runde. Mit dabei mein Gastgeber Marco Schätzing (Firebike), Rumen Voigt (Mühle Pronghorn) und Florian Schön (Scott Genius Generation).

Schon im Verlauf der ersten Runde merke ich allerdings, dass sich voller Magen und Fahren im Spitzenbereich nicht wirklich vertragen. Das permanente Gefühl, mir mein Mittagessen gleich noch einmal durch den Kopf gehen zu lassen, führte dazu, dass ich während des Rennens so gut wie gar nichts trinken konnte. Am Ende der Gruppe kämpfte ich mühsam um Anschluss und war schon mehrmals kurz davor, abreißen zu lassen, obwohl es von den Beinen her eigentlich noch gut ging. Mit der Gesamtwertung des Mitteldeutschland-Cups im Hinterkopf quälte ich mich aber weiter in der Hoffnung, irgendwann endlich wieder Platz im Magen zu haben.

Zu Beginn der fünften von sechs Runden war es dann so weit. Schlagartig lief es wieder besser und ich setzte mich an die Spitze der Gruppe. Nach dem ersten Anstieg hatte ich eine kleine Lücke zu meinen Mitstreitern, rechnete aber nicht mit einer Vorentscheidung. Trotzdem versuchte ich das Tempo hoch zu halten, denn das Rankommen wollte ich ihnen auch nicht ganz einfach machen. Als sich der Abstand nach dem zweiten Anstieg weiter vergrößert hatte, beschloss ich durchzuziehen und damit hoffentlich durchzukommen.

Mit rund 30 Sekunden Vorsprung ging ich in die letzte Runde und auch nach vorn konnte ich den Rückstand auf unter eine Minute reduzieren. Ich gab nochmal Gas, doch als zur Hälfte der Runde René immer noch nicht in Sicht war, nahm ich das Tempo etwas zurück und konzentrierte mich auf sicheres Durchfahren. Ein kurzer Regenschauer zwischendurch hatte einige Passagen sehr rutschig werden lassen und forderte Konzentration bis zum Schluss.

Glücklicher Weise hatte ich keine weiteren Probleme und konnte mir nach einem sehr durchwachsenen Rennen mit 1min 20s Rückstand auf René Tann noch den zweiten Platz sichern. Da ich mich zwischenzeitlich schon auf Rang 5 gesehen hatte, ärgerte ich mich aber kaum über den verpassten Sieg, sondern freute mich umso mehr über den gewonnenen Vizetitel.

Ebenso wichtig war der zweite Platz auch für die Gesamtwertung des Mitteldeutschland-Cups. Durch die doppelte Punktewertung bei der Mitteldeutschen Meisterschaft konnte ich meine knappe Führung auf einige Punkte ausbauen und gehe mit guter Ausgangsposition in den letzten Lauf am kommenden Wochenende."

6 September 2010